Honorar

Da die Erfahrung zeigt, dass bei Architekten und Ingenieuren die Honorare im Gegensatz zu anderen freien Berufen wie Anwälten, Notaren, Steuerberatern und Ärzten sehr oft in Frage gestellt und als frei verhandelbar angesehen werden, möchte ich mit ein paar Erläuterungen und einer beispielhaften Honorarermittlung für mehr Akzeptanz werben.
Nach dem Architekten- und Ingenieurkammergesetz (ArchIngKG) in der Fassung vom 12.Juli 1995 §20 (5) sind die Architekten und Ingenieure verpflichtet „jede Leistung unter Anwendung der jeweils geltenden Honorarordnung zu regeln und abzurechnen“. Es gibt also eine gesetzliche Verpflichtung zur Honorarabrechnung nach der „Verordnung über die Honorare für Leistungen der Architekten und der Ingenieure“ (HOAI). Diese ist vergleichbar mit den Gebührenordnungen der anderen o.g. freien Berufe. Daraus ergibt sich ein nur geringer Spielraum in der Honorarfindung. „Billiganbieter“ bewegen sich außerhalb des Gesetzes, was später bei Haftungsfragen zu erheblichen Problemen führen kann.
Die Aufgabe der Ingenieure in der Tragwerksplanung ist nicht nur die reine Erstellung der für den Bauantrag erforderlichen bautechnischen Nachweise wie Statik, Wärme- und Schallschutznachweis. Es wird eine wirtschaftliche Konstruktion erwartet. Um zu einer wirtschaftlichen Lösung zu kommen sind mehrere Varianten zu prüfen. Da es immer verschiedene Möglichkeiten gibt, ist es nicht zwingend, dass alle Ingenieure auf die selbe Lösung kommen. Ein Ingenieur, der durch erhöhten Zeitaufwand eine wirtschaftlichere Konstruktion plant, spart dem Bauherrn dadurch mehr Geld als durch eine billigere Statik. Wird durch verringerte Honorare der mögliche Zeitaufwand und die Einsatzbereitschaft reduziert, wird nur die minimale Leistung erbracht. Dies kann bzgl. der Baukosten und auch der Konstruktion nicht im Sinne des Bauherren sein. Die verbesserte Konstruktion kann z.B. durch den Verzicht auf eine Stütze zu mehr Wohnkomfort führen, was allerdings einen zusätzlichen Einsatz des Ingenieurs erfordert.
Die Statik ist nicht ein notwendiges Übel sondern die Chance auf ein gelungenes Bauwerk.

Honorarermittlung für die Statische Berechnung am Beispiel eines Einfamilienhauses:
Grundfläche (Außenabmessungen) 10,68 m * 10,00 m = 106,8 m2
Gebäudehöhe (Außenabmessung) Erdgeschoss: 2,9 m; Dachgeschoss: 5,0 m (45° geneigt)
Umbautes Volumen: 106,8 * (2,9 + 5,0/2) = 576,92 m3
Die anrechenbaren Kosten ergeben sich zu 55 % der Rohbaukosten (Kostengruppe 300) zuzüglich 20 % der Kosten für die Installation (Kostengruppe 400). Sie liegen erfahrungsgemäß bei etwa 130 € / m3. In diesem Beispiel ergeben sich die anrechenbaren Kosten zu 576,92 m3 * 130 € / m3 = € 75.000.


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